Archäologische Untersuchungen in Karaula bei Kakanj

Autor/innen

  • Veljko Paškvalin

DOI:

https://doi.org/10.5644/

Abstract

Im Mittelbosnien, d. h. im Gebiet zwischen den Flüssen Bosna und Vrbas südlich der Save, sind befestigte Anlagen aus der Zeit der Spätantike, die derjenigen von Gromile im Dorf Karaula ähneln, bisher noch nicht aufgefunden worden (Abb. 1). Im weiteren Raum Bosniens und der Herzegowina konnte bislang nur eine entsprechende Befestigung mit Sicherheit festgestellt werden: Mogorjelo an der Neretva, bei dem heutigen Čapljina und unweit des antiken Narona. Für die Fundorte Gromile in Šipovo und Gradovi in Voljevica lässt sich eine solche Funktion lediglich vermuten.

Insgesamt kann hervorgehoben werden, dass die spät­römischen Befestigungsanlagen und die damit verbundenen Verteidigungssysteme im Gebiet Bosniens bislang nur wenig erforscht sind. Einen Ansporn für die Untersuchung dieser Problematik könnten neben den befestigten Höhensiedlungen auch die Erforschung der Bauten mit Wehrtürmen, wie jene in Gromile–Karaula und in Mogorjelo, darstellen.

Bereits die geostrategische Position dieser Befestigungsanlagen weist eindeutig darauf hin, was geschützt wurde bzw. wie die Verteidigung eines Gebietes organisiert werden sollte. Vorrangig wurden Verkehrswege gesichert, um einen ungehinderten Handel und die Durchfuhr eigener Militärkontingente zu gewährleisten und gleichzeitig eine weitreichende Barriere gegen jegliches feindliches Vordringen zu schaffen. Eine solche Funktion erfüllte auch die befestigte villa rustica von Gromile in Karaula.

Da diese Befestigung nicht vollständig untersucht werden konnte, sind wir natürlich nicht in der Lage, über einen umfassenden Bauplan der Anlage zu sprechen. Allerdings wurden einige wichtige Befunde freigelegt, die auf den Grundriss der Anlage hinweisen (Abb. 1). Die Befestigung war wahrscheinlich an vier Ecken mit Wehrtürmen versehen, wobei das Vorhandensein weiterer Zwischentürme nicht ausgeschlossen werden kann. Dieser Kastelltyp stellt offensichtlich eine befestigte villa rustica dar, die bereits vor dem Ende des 3. Jhs. entstanden ist. Nachträglich wurde sie in eine Verteidigungsanlage umgewandelt und in das allgemeine Verteidigungssystem des Römischen Reiches in den unruhigen Zeiten der Spätantike einbezogen.

Diese Feststellung wird auch durch die Freilegung von drei kleineren Steinkugeln bestätigt (Taf. 5,2), die zu einem Kriegsgerät, nämlich einer Schleuder, gehörten.

Unter den Keramikfunden von Gromile in Karaula erwiesen sich einige bemalte Scheiben (Taf. 4,1–3) als die charakteristischste Fundgattung. Anhand dieser Funde lassen sich langandauernde kulturhistorische Beziehungen zwischen Mittelbosnien und der unteren Pannonien (Pannonia inferior) nachvollziehen. Diese Beziehungen lassen sich bis in das 2. Jh. zurückverfolgen, als diese Keramik in Pannonia inferior, insbesondere in Siscia (Siscium), ihre Entwicklung nahm. Dafür sprechen auch identische Keramikfunde in den antiken Thermen von Ograja in Putovići sowie entsprechende Keramik aus Komini (Municipium S...) und aus Duklja, die in die zweite Hälfte des 3. Jhs. und den Beginn des 4. Jhs. datieren.

Die Verbreitungszentren dieser Keramik liegen offensichtlich in Pannonia inferior (Siscia), während ihr Ursprung auf die schöpferische Keramikproduktion der dort ansässigen keltischen Stämme – Skordisker, Eravisker und Bojer – zurückzuführen ist. Diese Maltechnik wurde von der autochthonen Bevölkerung Pannoniens übernommen und weiter nach Süden in das Gebiet des Stammes der Desidiaten verbreitet. Der antike Schriftsteller Strabon zählt die Desidiaten zu den pannonischen Völkern; kulturhistorisch erweisen sie sich jedoch als eine gemischte illyrisch-pannonische Bevölkerungsgruppe.

Die Behauptung, dass es sich bei dieser Keramik ausschließlich um Kult- bzw. Ritualware handelt, kann nicht bestätigt werden. Vielmehr dürfte es sich um Luxusware gehandelt haben, die im Besitz wohlhabenderer Schichten der romanisierten autochthonen Bevölkerung war. Die weiträumige Verbreitung dieser Keramikgattung im Gebiet Mittelbosniens weist auf bisher unbekannte lokale Töpfereien hin, die in weiteren Untersuchungen wahrscheinlich ans Licht kommen werden.

Diese charakteristische Keramik erlaubt die Datierung der Anlage von Gromile in Karaula in die Zeit zwischen dem 2. und 5. Jh. Sie bestand demnach bis zur Mitte des 4. Jhs. als landwirtschaftliche villa rustica und danach als befestigter Kastelltyp.

Die Umwandlung dieser landwirtschaftlichen Einrichtung in eine befestigte Verteidigungsanlage könnte in der Zeit des Kaisers Constantius II. (337–361) erfolgt sein, als bestehende Bauten mit zusätzlichen Wehrtürmen verstärkt wurden (Taf. 5,3). In dieser Zeit führten Römer und Sarmaten erbitterte Kämpfe am Limes von Moesia I.

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Veröffentlicht

2025-12-09

Zitationsvorschlag

Archäologische Untersuchungen in Karaula bei Kakanj. (2025). Godišnjak Centra Za balkanološka Ispitivanja, 33, 227-252. https://doi.org/10.5644/