Spatbronzezeitliche Tierfigurinen von Dobrinje bei Visoko

Autor/innen

  • Mario Gavranović Austrian Archaeological Institute, Wienna

DOI:

https://doi.org/10.5644/Godisnjak.CBI.ANUBiH.34-3

Abstract

Die kleine Tonplastik mit Tierdarstellungen ist eine nahezu unbekannte Fundgruppe der Spatbronzezeit in Bosnien und Herzegovvina. Die antropomorphen Figuren sind dagegen aus mehreren Siedlungen (Debelo Brdo und Fortica bei Sarajevo, Ripač bei Bihać, Kekića Glavica bei Bosanka Krupa, Varvara bei Prozor) bekannt, vvobei es sich dabei meistens um altere Grabungen handelt, so dass die stratigarphische bzw. chronologische Zugehorigkeit und der Fundkontext nicht immer klar sind. Eine Figur mit schematisierter Menschendarstellungen aus Varvara wurde im jiingsten Horizont dieser Siedlung (Varvara  03) zusammen mit anderen kleinen Tonmodellen (Tische, Ofen, Stiihle) gefunden. Die zahlreichste Gruppe der kleinen  onfiguren stammt aus der Pfahlbausiedlung Ripač am Fluss Una bei Bihać. Die meisten der Figuren aus Ripač sind mit eindeutigen menschlichen Attributen (Geschlechtsmerkmale, Gesicht) versehen, vvahrend nur eine Figur mit Hornern ausgestattet ist (Taf.4,4). Dabei ist nicht klar, ob es sich hier um eine Tierdarstellung oder um eine Maske handelt. Chronologisch sind die Figuren aus Ripač in die Ubergangsperiode zvvischen Spatbronze- und Friiheisenzeit (Ha B3- Ha Cl) einzuordnen.  Die eindeutigen Tierdarstellungen aus der Spatbronze-und Friiheisenzeit sind in Bosnien und Herzegowina bis jetzt nur in der Siedlung Donja Dolina an der Save zu verzeichnen. Zwei Figuren (Taf.6,1-2) sind als Rinderdarstellung anzusprechen, wahrend eine vveitere mit Tiermerkmalen versehene Figur (Taf.6,3) nicht klar zu bestimmen ist. Diese drei Tierfiguren sowie sechs weitere anthropomorphe Darstellungen stammen aus der jiingeren Siedlung in Donja Dolina, deren Griindung in die Stufe Ha Cl-Ha C2 falit (Phase II).  Der Funktion und Deutung der kleinen Tonplastik wurde in der bisherigen Forschung wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Da die Fundkontexte in den meisten Fallen unbekannt sind, ist eine entsprechende Analyse auch nicht durchfiihrbar. AuBer der allgemeinen Aussage, dass es „sich um Gegenstande des magischen und kultischen Charakter handelt" sind andere Deutungsansatze kaum vorhanden. Eine Ausnahme stellt die  hypothese von Čović dar, der die Tonmodelle (Tisch, Stiihle, Ofen) aus Varvara als verkleinerte Modelle der realen Gegenstande  interpretierte. Demnach wiiren die Tonidole auch eine verkleinerte Darstellung der realen Idole (vermutlich aus Holz gebaut),  deren GroBe Čović auf 1,5 - 2 m schiitzt. Sowohl die kleinen als auch die groBen Idole wurden nach Čović bestimmte Gottheiten darstellen. Zu einer vergleichbaren Deutung fur die Idole aus Ripač kommt auch Raunig in ihrer neuen Studie iiber die Religion der Japoden. Fur die Tonfiguren aus Dobrinje bleibt es festzuhalten, dass es sich eindeutig um Haustiere handelt, die schwer mit ubernatiirlichen Wesen in Verbindung zu bringen sind. Die kleine Tonplastik (anthropomorphe und zoomorphe) war im Raum
Zentralbosniens bzw. im Rahmen dei' Zentralbosnischen Gruppe der Spatbronzezeit, wie sie von Čović definiert wurde, bis jetzt eine unbekannte Erscheinung. Als eines der Hauptmerkmale dieser eigenstandigen Gruppe bezeichnete Čović den „westbalkanischen geometrischen Stil“, in dem auf die Motive und Darstellungen aus der realen Welt ganzlich verzichtet wurde.
Chronologisch betrachtet wiirden die Figuren aus Dobrinja bei Visoko einigen anderen Tonfiguren im vvestlichem Balkan (Ripač, Varvara) und siidostalpinem Raum (Ormož, Ptuj, Brinjeva Gora) entsprechen und somit auch den Raum Zentralbosniens in das Verbreitungsgebiet der kleinen Tonplastik der Spatbronzezeit einschliefien. Da es sich aber bei den Figuren aus den ervvahnten Siedlungen vorwiegend um schematisierte Menschendarstellungen handelt, ist ihr geistlicher Hintergrund vermutlich eine anderer als bei den Haustieren aus Dobrinje. 

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Veröffentlicht

2025-05-30

Zitationsvorschlag

Spatbronzezeitliche Tierfigurinen von Dobrinje bei Visoko. (2025). Godišnjak Centra Za balkanološka Ispitivanja, 34, 83-106. https://doi.org/10.5644/Godisnjak.CBI.ANUBiH.34-3